Katholischer Journalismus ist wichtig

Katholischer Journalismus in der Krise?

Zunächst einmal: der gesamte Journalismus befindet sich in der Krise. Sowohl qualitativ, als auch quantitativ. Aber gerade beim katholischen Journalismus hat man vielleicht etwas andere Erwartungen, was Intellektuallität, Können und Wahrhaftigkeit betrifft. Und hier haben wir im Deutschsprachigen Raum ein gewaltiges Problem. Außer der Tagespost gibt es für mich kein seriöses katholisches Onlineportal mehr. Kath.net kann man als Katholik nicht mehr ernst nehmen – zu einseitig ist die Berichterstattung gerade in politischen Themenbereichen. Klar Pro Trump. Weil er natürlich der beste Lebensschützer der Welt ist – was man an seinem Schutz für die Alten und Kranken während der Coronakrise ja ganz besonders sieht. Es gibt nicht einen einzigen Artikel der sich kritisch mit Trumps Haltung zu Frauen, Ausländern und so weiter auseinandersetzt. Ich habe nur Lobeshymnen gefunden. Das andere ist der unreflektierte Umgang mit der Black-Lives-Matter Bewegung. Natürlich sind darunter auch Chaoten und Menschen, die einfach Freude an Anarchie haben. Aber das Grundanliegen, endlich etwas gegen den systematischen Rassismus in einigen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft zu unternehmen, der ist dem Grunde nach mehr als gerecht, er ist eigentlich für Christen nahezu geboten. Katholischer Journalismus muss differenzierter auftreten, das ist man der Wahrheit schuldig.

Tote Brüder im Glauben sollten zählen, auch wenn sie von weißen Polizisten ermordet wurden

20. Zwanzig mal hat der gläubige Katholik, der einen Bischof zu seinen Freunden zählt, gesagt: „I can’t breathe!“. Hat er seine Mörder angebettelt, ihn nicht zu töten. Hat er um sein Leben gekämpft. Und konservativ-katholische Onlinemedien schaffen es nicht, ihrem Glaubensbruder wenigstens ein kurzes journalistisches Denkmal setzen. Die Tagespost schafft es in ihren Artikeln immerhin, sich klar und differenziert mit Rassismus in den USA auseinander zu setzen, während man auf kath.net zum kategorischen journalistischen Feldzug gegen BLM aufgerufen hat. Auf dem Blog Mary of Magdala ist zu genau diesem Thema eine gute Auseinandersetzung zu lesen.

Katholischer Journalismus wird gebraucht

Katholiken haben sich der Wahrheit verpflichtet. Deswegen wären sie an sich die geborenen Journalisten, weil sie nicht nur den monetären, sondern auch den religiösen Anspruch haben, die Wahrheit zu berichten. Dazu gehört auch die Bereitschaft, den eigenen Graben zu verlassen und mal von „draußen“, bestenfalls von zwischen den Stellungen der Fraktionen, zu berichten. Da würde zu kath.net wohl zum Beispiel eine kritische Auseinandersetzung mit Medjugorje gehören. Und für katholisch.de die Frage, ob alles was sie schreiben denn noch katholischer Content ist, oder genauso gut von der „Bild der Frau“ gebracht werden könnte. Und für mich, was heißt es für mich? Es gab vor ein paar Jahren mal eine ausgewachsene Diskussion darüber – wenn nicht sogar Streit – ob konservative Katholiken rechts sind, oder nicht. Wenn ich das Gefühl habe, bei der Lektüre eines Magazins eher ein Blatt einer Vorfeldorganisation einer Partei zu lesen, denn ein katholisches Medium, dann muss ich mir eingestehen, dass da vielleicht etwas dran sein könnte. Vielleicht haben Konservative mittlerweile das Problem, eine Abgrenzung zu Positionen zu finden, die nicht mehr vom Evangelium gedeckt sind. Das ist bei politischen Positionen schwer, das gestehe ich zu – aber wenn das Evangelium eines vielleicht fordert bei politischen Fragen, dann ist es eine ganzheitliche Sicht, und keine Lobhudelei auf einen einzigen Menschen – auch nicht auf Trump.

Zum Schluss: George, wir kannten uns nicht. Dein Leben hatte harte Brüche, aber Du hast es geschafft, Dich zu bekehren und warst ein geliebtes Mitglied Deiner Gemeinde. Dein Tod war unrecht. Ich hoffe, Du findest Deine Ruhe im Herrn und wir finden die Möglichkeit, uns in Seiner Gegenwart kennen zu lernen.

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