Benedikt Option in der digitalen Welt I

Ich bin ein Befürworter der Benedikt-Option. Bloggerkollege Dr. Tobias Klein scheint hier der größte Deutsche Vertreter zu sein, der sich auch für eine Punk-Pastoral einsetzt. Das scheint wohl eine Pastoral zu sein, die sich jenseits von Gemeinde und Bürgerlichkeit bewegt. Bei diesem Abenteuer bewegt er sich auch schonmal im „linksgrünversifften“ (AfD) Milieu, unter anderem in der Hausbesetzerszene. Den verlinkten Beitrag empfehle ich übrigens ausdrücklich. Nun ist es heutzutage ja nicht nur so, dass unser Leben im analogen Umfeld stattfindet, sondern (zunehmend) auch digital. In den letzten Wochen hat sogar das gesamte geistliche Leben mehr oder weniger gut digital stattgefunden. Es stellt sich die Frage: was bedeutet die Benedikt Option für unser digitales Leben. Und damit meine ich nicht den spirituellen Umgang damit, wie „Facebook“-Fasten oder ähnliches – sondern unsere digitale geistliche Kultur, unser digitales Leben als Ganzes.

Ditigale Hausbesetzer: Hacker und die Benedikt Option

Wenn man das Wort „Hacker“ hört, assoziiert man damit gleich „russische“ Gruppen, die irgendwelche Geheimdienst-Aktionen durchführen, Leute die Phishing-Attacken machen oder irgendwelche Prinzen aus Zamunda. Dass Hacking aber weitaus mehr ist, als die böse Seite des Internets, weiß fast niemand. Fast die gesamte IT-Sicherheits-Branche benutzt Techniken des Hackens, um unsere Systeme auf Schwachstellen zu testen und sicherer zu machen. Journalisten verwenden Kryptosysteme, um sicher zu schreiben etc. Und dann sind da noch kreative Menschen, die technische Geräte umfunktionieren und die Möglichkeiten, sie zu verwenden, erweitern. Ein Beispiel hier ist zum Beispiel dieser Vortrag zum Thema: Katzen automatisieren. Es gibt also böse und gute Hacker, so wie es gute und böse Menschen gibt. Der Chaos Computer Club (CCC), die größte europäische Hackervereinigung hat seit den 80ern sogar eine eigene Hackerethik.

Hacking für die katholische Community?

NetzDG und andere staatliche Maßnahmen lassen auch in der katholischen Community aufhorchen. Wir erleben in den westlichen Ländern schon zunehmend, wie die Religionsfreiheit zugunsten anderer Rechtsprinzipien immer weiter ausgehöhlt wird. Etwa in den USA, wo die Vertragsfreiheit aufgehoben wird und Unternehmen unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Hatespeech zu Geschäften mit Leuten gezwungen werden, mit denen sie einfach keine Geschäfte machen wollen. Die Katalogtatbestände in § 100b StPO zur Onlinedurchsuchung lassen sich in Zukunft ohne großen Aufwand erweitern. Das freie Ausleben unseres Glaubens (und das Ausleben des Glaubens anderer Religionen) ist keine Selbstverständlichkeit, wie alle anderen Menschenrechte auch keine Selbstverständlichkeit sind, da es Rechte gegenüber dem Staat sind. Hier ist der Staat das Gegenüber, das aber gleichzeitig die Aufgabe hat, diese Rechte zu schützen – das gibt zwangsläufig unüberbrückbare Spannungen – deswegen gibt es dazu so viele gerichtliche Auseinandersetzungen (Das sichtbarste Beispiel: Es gibt eine Datenschutzbehörde aber gleichzeitig Geheimdienste, die unsere Daten umfassend und wahrscheinlich anlasslos sammelt). Deswegen ist es vielleicht wichtig, IT-Sicherheitsthemen auch als Christen ernster zu nehmen. Das betrifft Verschlüsselung, Anonymisierung, alternative soziale Netzwerke und auch das Testen eigener Server auf IT-Schwachstellen, sogenanntes Pentesten. Lieber ihr findet auf eurem Gemeindeserver eine heftige Lücke, als ein böser Hacker. Der Staat ist unser Diener, er ist zuständig dafür, dass wir frei und sicher leben können. Er kann aber auch unser Feind werden – selbst wenn er es vielleicht auch gar nicht sein will, denn im Prinzip meint es jede Ideologie ja gut.

So wäre eine christliche Hackerkultur so etwas wie eine Benedikt-Option für das digitale Leben.

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