Kirche und Corona

Kirche und Corona: eine Kritik

Seit ein paar Wochen steht unser Leben still. Auch die Kirche macht mit. In einigen Diözesen ist nicht einmal mehr die Beichte möglich. Schutzmaßnahmen sind natürlich nötig und sind an für sich nicht zu hinterfragen. Allerdings stellt sich schon die Frage, welche Schutzmaßnahmen die Richtigen sind. Vor einigen Tagen hat das Institut Philip Neri an St. Afra in Berlin den Klageweg beschritten und wurde dafür kirchlicherseits heftig kritisiert.

Sich an Gerichte wenden ist ein Grundrecht

Zunächst einmal ist es ein Grundrecht in einem Rechtsstaat, sich an das Gericht zu wenden, wenn man in seinen Rechten zu Unrecht – wenn auch nur vermutet – eingeschränkt wird. Das ist der maßgebliche Unterschied zur Diktatur, wo dieses Recht nicht gilt. Ich begrüße es, dass das Verfassungsgericht sich mit diesen Maßnahmen auseinandersetzt. Denn in der Tat ist es so, dass es wissenschaftlich keinen Unterschied macht, ob man in die Kirche geht oder in den Supermarkt. Werden die Verhaltensregeln nicht eingehalten, besteht Ansteckungsgefahr. Andersrum gibt es aber keinen wissenschaftlichen Grund, warum Kirchen anders behandelt werden sollten als Supermärkte. Es gibt höchstens einen juristischen Grund, der aber keiner ist: das sogenannte Grundbedürfnis. Aus staatlicher (und auch aus deutsch-oberhirtlicher) Sicht ist es eben lebensnotwendig was zwischen die Kiemen zu bekommen – öffentlicher Gottesdienst ist es aber nicht. Und schon wird das sonst so gelobte 2. Vatikanische Konzil über Bord geworfen!

Wenn die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG11) ist, dann ist es die verdammte Pflicht unserer Hirten sicherzustellen, dass die Gläubigen die Möglichkeit haben, an der Feier teilzunehmen. Nicht wie in Österreich, bei den Feiern auch noch die Kirche zuzusperren! Ein Verbot Heiliger Messen oder gar der Beichte ist nicht so einfach hinzunehmen!

Kirche: Seelenheil ist ihre Pflicht

Ausgehend von CIC 1752 („[…]das Heil der Seelen vor Augen, das in der Kirche immer das oberste Gesetz sein muß. (sic!)“), muss man sagen: Aufgabe der Kirche ist zuoberst, sich um die Seelen zu kümmern. Das muss auch unter den gegebenen Schutzmaßnahmen (MN-Schutz, Abstand halten) physisch in der Kirche und nicht nur digital möglich sein. Sich feige hinstellen und sagen: „Wir sind innovativ, wir machen jetzt auch Livestream“, ist lächerlich. Nichts daran ist innovativ. Übertragungen von Gottesdiensten gibt es schon, seit es Fernsehen gibt. Es ist ideenlos. Wo bleibt der große Innovator Flügge? Wie viel unserer Kohle wurde für „innovative Pastoral“ im letzten Jahrzehnt versenkt? Wo sind denn jetzt die hippen zukunftsorientierten Pastoraltheologen? Die einzige Idee die aus akademischer Ecke zu kommen scheint, ist jetzt auch noch, das letzte Heilmittel, die missa solitaria, zu canceln. Diese Menschen haben die Bezeichnung „Theolog/in“ nicht verdient. Es sind Scharlatane, die sich an der Kirche vergehen um ihre eigene Ideologie zu verwirklichen. Seelenheil haben sie nicht vor Augen.

Es gibt Corona-konforme Möglichkeiten

In Bezug auf die Beichte wäre eine gute Möglichkeit: Beichte in der Sakristei, Seitenkapelle oder Kapelle unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Oder auf dem Parkplatz. Da Covid-19 mit mittlerweile an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht durch Schmierinfektion übertragen werden kann, wäre ein Gottesdienstbesuch auch möglich, durch Tragen von Mund- und Nasenschutz und ggf. Einmalhandschuhen. Einfach Kirchen zusperren ist jedenfalls keine Lösung.

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