Der synodale Irrweg: einige rechtsphilosophische Gedanken

Auslöser für die Karnevalsveranstaltung, die sich synodaler (Irr)weg nennt, ist der vielfache sexuelle Missbrauch und der Umgang der Kirchenleitung damit. Schon an diesem Satz erkennt man, dass es sich bei der Veranstaltung per se um die falschen Adressaten handelt. Es ist nicht die Kirche in ihrer Gesamtheit, die gravierende Fehler gemacht hätte, es ist die Kirchenleitung und der Klerus.

Streng genommen bedürfte es also keiner Klärung innerhalb der gesamten deutschen Kirche, sondern innerhalb des Deutschen Klerus. Das will man aber eben nicht (honi soit qui mal y pense…). Sei es drum, schmeißt man halt den „bewährten“ Prozessapparat an, an dessen Ende das Ergebnis feststeht, nämlich alles und nichts: Man hat alles beschlossen, und nichts umgesetzt. Oder gibt es empirisch nachweisbare, gute Ergebnisse des letzten Dialogprozesses? Das einzige Ergebnis, das evident ist, sind ‭1.368.944‬ Kirchenaustritte seit 2011 (Quelle: https://www.kirchenaustritt.de/statistik). Auch unter Kirchensteueraspekten (für die Herren Bischöfe ein durchaus wichtiges Argument) ein Armutszeugnis.

Das eigentlich skandalöse an der ganzen Geschichte aber ist, dass der eigentliche Fehler, der den Missbrauch in dieser Tragweite erst ermöglicht hat, mit genau diesem Prozess fortgesetzt wird.

Die Mutter der Krise: fehlende Rechtskultur der deutschsprachigen Kirche

Das Kirchenrecht wurde und wird oftmals als lediglich eine Richtschnur angesehen. Seit dem Missbrauchsskandal von 2011 ist es immerhin so, dass das nicht mehr für das Strafrecht gilt (allerdings auch nur im Bereich des Missbrauchs). Wirklich ernst genommen wird Kirchenrecht nur dann, wenn Rom sich melden könnte. Dass nicht nur falsch angewendetes kirchliches Strafrecht, sondern auch falsch angewendetes allgemeines Kirchenrecht zu Missbrauch führen kann, zeigt ein Fall aus Deggendorf:

Ein obdachloser Priester meldet sich beim Pfarrer in Deggendorf, erhält Obdach und darf in der Gemeinde aushelfen. Diese neuen Möglichkeiten nutzt der Besagte für vielfache Missbrauchstaten.

Mitschuld an diesem Vorgang ist der Pfarrer: Er hat eigenmächtig entschieden, dass ein diözesanfremder Priester hier 1.) wohnen und 2.) seinen Dienst ausüben darf. Das ist ein grober Verstoß gegen die Dienstpflichten, denn jeder Priester ist in eine Diözese inkardiniert, kann also nicht ohne sachlichen Grund obdachlos sein. Es gibt nur zwei sachliche Gründe dafür, die mir auf Anhieb einfallen: Es ist etwas passiert in seiner Diözese oder der Mann ist auf der Flucht vor Krieg. Bei angeblich polnischen Priestern entfällt derzeit der letzte Grund. Hätte man das gemeldet, wären die Taten wohl verhindert worden. So einfach geht das. Rechtliche Folgen für den Pfarrer gab es übrigens nach meiner Kenntnis nicht.

Was das mit dem synodalen Weg zu tun hat

Um es einfach zu sagen: alles. Der päpstliche Rat für die Gesetzestexte stellte fest, der synodale Weg kann „mit wenigen Ausnahmen nicht Gegenstand von Beschlüssen und Entscheidungen einer Teilkirche sein, ohne gegen die Einschätzung des Heiligen Vaters zu verstoßen“ (Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/22927-vatikan-hat-vorbehalte-gegen-synodalen-weg-in-deutschland).

Die Antwort von Kardinal Marx ist folgende: „Die Bischöfe hätten für die Beratungen bewusst keine Form gewählt, die vom Kirchenrecht erfasst sei, so der Münchner Erzbischof an den römischen Kardinal: „Sie wissen das aus unseren Protokollen.“ Der „synodale Weg“ sei vielmehr ein Prozess eigener Art, und daher sollten die Satzungen auch nicht durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente gelesen werden. “ (Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/22947-faz-kardinal-marx-weist-kritik-aus-rom-zurueck).

Der Missachtung des Rechts wird also mit Missachtung des Rechts begegnet, was zeigt, dass die zuständigen Hirten nichts, aber auch gar nichts aus der Krise gelernt haben. Denn: hätten alle sämtliche Regeln befolgt, hätte es keinen Skandal in diesem Ausmaß gegeben.

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